„Studenten zahlen eine Milliarde Euro Gebühren“
Geschrieben am 29. Mai 2009 von Boris PlüschkeSo titelte am Mittwoch den 27. Mai das Handelsblatt. Doch der Untertitel ließ aufhorchen:
„Hochschulbudgets profitieren bisher nicht von den Zusatzeinnahmen“
Ein Fakt, den wir schon lange befürchtet hatten. Denn irgendwie waren einige Maßnahmen, denen die Studierenden in den Gremien zugestimmt haben, oft ein bisschen unangenehm. Zum Beispiel die neuen Praktika oder ihr Ausbau: sollten diese nicht in der normalen Lehre inklusive sein? Nein, es fehlt das Geld. Oder die Ersti-Einführungstage. Früher gab es besondere Projektgelder vom Land. Diese wurden ersatzlos gestrichen — also eine klare Kürzung entgegen aller Ankündigungen. Oder wie ist es mit den Baumaßnahmen oder den zusätzlichen Büchern für die Bibliothek? Sie sind dringend nötig und verbessern die Lehre garantiert. Aber, warum stellt das Land nicht einfach genug Geld zur Verfügung für diese Grundausstattung? Diesen Eindruck bestätigt dann auch der Artikel:
„Wer allerdings erwartet hatte, dass die Einnahmen aus Gebühren quasi als Sahnehäubchen auf die Budgets der Hochschulen obendrauf kommen, sieht sich getäuscht: Die Hochschulen der Gebührenländer haben ihre Ausgaben 2007 nahezu in exakt gleichem Maß gesteigert wie die Unis ohne Gebühren. Anders formuliert: Die Länder haben unterm Strich gespart.“
Mit der Einführung der Studiengebühren wurde also tatsächlich vom Land der Druck genommen, sich in dem Maße um die Bildung zu kümmern, wie es notwendig wäre. Man fühlt sich zurecht auf den Arm genommen! Jetzt haben wir schon die Studiengebühren, die wir in keinster Weise befürworten und dann können wir damit nicht mal für eine wirklich gute Lehre sorgen, sondern müssen im Wesentlichen eine Grundversorgung sichern. Dies ist zwar auch eine Verbesserung, aber sicher nicht eine wie sie versprochen war. Von daher ist der eigentliche Name der Studiengebühren „Studienbeiträge“ gar nicht so falsch. Wir tragen dazu bei, dass die Lehre existiert.
Zum Glück ist es aber in Aachen noch nicht so schlimm, wie an anderen Hochschulen, wo tatsächlich allemöglichen Haushaltslöcher mit den Gebühren gestopft werden — den Lehrebezug finden da höchstens perfide Rechtsgelehrte. Dass es in Aachen besser ist, liegt größtenteils an den Studis, ohne die in Aachen keine Studiengebühren vergeben werden dürfen. Auf die Profs kann man oft zählen, jedoch nicht immer — 1250€ für das Hochladen von Material in das L²P, nur als Beispiel welches natürlich nicht finanziert wurde. Daher ist es unschätzbar wichtig, dass die Aachener Studis ein Veto auf die Studiengebühren haben. Dies wurde maßgeblich von AlFa-Mitgliedern im damaligen AStA erkämpft.
Neben dubiosen Geldwegen, gibt es noch einen weiteren Grund, der gegen Studiengebühren spricht. Wir finden, dass jeder in der Lage sein sollte, ein Studium zu absolvieren und nicht nur die, deren Eltern das nötige Geld mitbringen. Das sahen damals auch die Verfassungsrichter, als sie 2005 die Gebühren genehmigt hatten. Versprochen wurde daher, jede Menge Unterstützung für alldiejenigen, bei denen ein Studium am Geld scheitern könnte. Dazu meint das Handelsblatt:
„Gefordert hatten die Richter jedoch, dass ein Studium trotz Gebühren nicht am Geld scheitern dürfe. Daher haben viele Länder und die KfW Studienkredite eingeführt. Kaum gebessert hat sich jedoch das Angebot an Stipendien, das in Deutschland ausgesprochen mager ist. Nur zwei von 100 Studenten profitieren von einem Stipendium. Der NRW-Vorschlag für ein nationales System fiel bei den Kultusministern durch. Zuletzt hatte auch die OECD bemängelt, Deutschland gelinge es nicht, im Hochschulwesen für den nötigen sozialen Ausgleich zu sorgen.“
Auch hier wurden alle Befürchtungen der damaligen Studivertreter bestätigt. Und ein gescheiterter Versuch unserer Landesregierung ist nun wirklich nicht als großer Einsatz für sozial gerechte Gebühren zu werten.
Wie bei einer so klaren Faktenlage – oder würdet ihr das Handelsblatt in diesem Bezug für befangen halten – immer noch einige Listen des jetzigen AStAs der Meinung sind, dass die Studiengebühren eine gute Sache sind, zeugt doch von Beratungsresistenz. Man muss entweder sehr blind sein oder von der assoziierten Partei eine Meinung vorgegeben bekommen, die man weder reflektiert noch der man zu wiedersprechen mag. Im Interesse aller Aachener Studis brauchen wir einen AStA, der sich im Sinne seiner Studierenden kümmert und nicht politischen Ideologien hinterher läuft!
Wer den ganzen Artikel des Handelsblatts lesen möchte, findet ihn hier HIER.
